PERRY-RHODAN-Kommentar 2266


NOCTURNEN (I)


Die RICHARD BURTON hat das Parr-System mit der Bastion von Parrakh erreicht. Hier muss die Besatzung überrascht feststellen, dass ein markantes Strahlungsfeld seinen Ursprung in einem Nocturnenstock hat. Im Gegensatz zu uns kennen Bully und seine Mitstreiter noch nicht den Hintergrund. Sie wissen nichts vom Eingreifen der Nocturnenstöcke Antallin und Satrugar im Kampf von ES gegen die negative Superintelligenz STROWWAN vor sieben Millionen Jahren, auch nichts von ihrem weiteren tragischen Schicksal, dass Satrugar trotz Gon-Orbhons Eingreifen vom Wahnsinn bedroht war und Antallins Psi-Komponente zum Grauen Autonomen Ka Than wurde.

Diese Ereignisse vor Augen, sollten wir uns an dieser Stelle die übrige Vorgeschichte der Nocturnen in Erinnerung rufen, welche ja deutlich weiter in die Vergangenheit zurückreicht. 429 NGZ traf Perry Rhodan bei der Suche nach EDEN II erstmals in der der Milchstraße vorgelagerten Kleingalaxis Fornax auf die Nocturnen, doch deren Geschichte wurde erst nach und nach enthüllt.

Sie führt bis in eine Zeit vor rund 15 Millionen Jahren zurück, als in der damals Laxaron genannten, 7000 Lichtjahre durchmessenden Sterneninsel die Vojariden seit rund 3000 Jahren Raumfahrt betrieben und in die 550.000 Lichtjahre entfernte große Spiralgalaxis Ammandul vordrangen. Hier entdeckten sie auf einem Planeten die Insel der Schmetterlinge und stellten Kontakt zu der noch geschwächten Wanderer-Entität her (PR-Roman 2000).

Die Vojariden waren damals gläsern wirkende, zerbrechlich scheinende Wesen von 1,5 bis 2,5 Metern Körpergröße. Ihre Haut bestand aus einem durchsichtigen, nässlich schimmernden Film, der Blutbahnen, Nervenstränge, Muskeln und Organe durchschimmern ließ, in der Konsistenz jedoch auch so gesteuert werden konnte, dass die Haut undurchsichtig wurde. So traten sie Fremden gegenüber, während es im Kreis von Artgenossen als unhöflich galt, sein »Inneres« zu verbergen.

Sie hatten je vier Arme mit sieben Gelenken und sechs Fingern. Die beiden ebenfalls mit sieben Gelenken ausgestatteten Beine verliehen ihnen einen unruhigen, hektischen Gang, wie ihre Bewegungen insgesamt zappelig und nervös wirkten. Der Kopf war knollenartig und verfügte über ein einziges Multifunktionsorgan, das die gesamte Vorderseite einnahm, ständig grimmassierte und seltsame Laute von sich gab. Die vojaridische Sprache klang wie ein Schmatzen und Gurren, untermalt vom unterstützenden Säuseln, das von den libellenartigen, körperlangen und durchscheinenden Flügeln erzeugt wurde.

Jahrtausende später fungierten die Vojariden als »Geburtshelfer« der Superintelligenz ES, und aus den verletzlichen Stummelflüglern entstanden Membranwesen aus fünfdimensional schwingendem Quarz – die Nocturnen.

Der Planet Ambur, nunmehr verwaiste Ursprungswelt der Vojariden, wurde von elementaren Kräften erfasst und in zwei Hälften gespalten. Eine wählte sich die frischgebackene Superintelligenz als Sitz, die andere Hälfte diente zur Versetzung in die Milchstraße. Gleichzeitig entstanden auch die vom Chronisten von ES verwalteten (echten) Zeittafeln von Amringhar, während der Vojaride Ahn-Visperon zum Boten von ES wurde.

Der Nocturnenstock des Weisen von Fornax galt als der älteste der Nocturnen, deren Lebenszyklus fortan zwei Phasen durchlief: In der ersten, der Schwarmphase, waren sie bis zu hundert Meter durchmessende, hauchdünne Quarzmembranen; ätherische Geschöpfe ohne Intelligenz, farblos, fast gläsern, die von ihrem Instinkt getrieben in bis zu eine Million Mitglieder großen Schwärmen auf festgelegten »Flugschneisen« von Sonne zu Sonne zogen und sich von deren Hyperstrahlung ernährten. Diese wurde zum Teil zum Wachstum verwendet, zum Teil gespeichert und zur Fortbewegung nach dem Transitionsprinzip mit Sprungweiten bis zu einem Lichtjahr genutzt.

Ultrahochfrequente Hyperstrahlung dagegen war für die Nocturnen unverdaulich, wurde in Form von Psi-Materie als Paratau ausgeschieden und sammelte sich entlang der Flugschneisen in Tauregionen. In der Schwarmphase verständigten sich die Nocturnen mittels einer begrenzten Zahl von Hyperfunksymbolen. Sie endete, sobald alle Schwarmangehörigen ihre maximale Größe erreicht hatten.

Während sich ein kleiner Teil nach Amöbenart teilte und einen neuen Schwarm aus »jungen« Zwei-Meter-Nocturnen bildete, wechselte die große Masse in die Stockphase: Sie ließen sich auf Himmelskörpern mit geringer Schwerkraft nieder, wo sie im Laufe der Jahrtausende weitere Schwärme anlockten, zu Türmen aus dunklem Schwingquarz heranwuchsen und Intelligenz entwickelten.

Rainer Castor